18 liturgische Psalmen für Soli, Chor und Orgel von Louis Lewandowski (1821-1894)

  • Vera Steuerwald, Sopran
  • Begona Zabala, Mezzosopran
  • Sebastian Hübner, Tenor
  • Matthias Horn, Bariton
  • Robert C. Selinger, Orgel
  • Evangelische Jugendkantorei der Pfalz
  • Dirigent: KMD Jochen Steuerwald
  • Aufnahmen: 02.-04.03.07, Kleine Kirche Kaiserslautern

Noch zeitig genug für den weihnachtlichen Gabentisch legt die Evangelische Jugendkantorei der Pfalz eine CD-Einspielung vor und greift damit obendrein ins Raritäten-Kabinett des sakralen Genres: Denn die „18 liturgischen Psalmen“ in der Vertonung des jüdischen Kantors Louis Lewandowski (1821 – 1894) zählen nicht eben zum gängigen kirchenmusikalischen Repertoire, wiewohl es sich um wirkungsvolle und im besten Sinne erhabene romantische Chormusik handelt.

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Preis: 15 €
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Louis Lewandowski, der an der bedeutenden Berliner Synagoge in der Oranienstraße wirkte, später als Professor mit dem Titel eines Königlichen Musikdirektors geehrt wurde, zählte zu den ganz signifikanten und allseits geschätzten künstlerischen Persönlichkeiten der Spree-Metropole. Sowohl sein Wirken als Pädagoge an verschiedenen Instituten als auch sein kompositorisches Schaffen fanden höchste Beachtung unter den Zeitgenossen.

Die 18 ausgewählten alttestamentarischen Bitt- und Lobgesänge (in der Übersetzung von Leopold Zunz) weisen Lewandowski als formal versierten, aber ebenso erfindungsreichen, im effektvoll deklamatorischen Stil virtuos bewanderten Tonschöpfer aus.

Stilistisch atmet seine Musik ebenso die strenge Aura jüdischer Tempelgesänge wie die strahlende Vielfarbigkeit christlicher Provenience etwa eines Mendelssohn. Und schafft damit eine einzigartige Synthese. Große Bedeutung kommt dem eigenständig konzipierten und teils heiklen Orgelpart zu. Die Dramaturgie der Textdeutung – mittels wechselnder Besetzungen, dabei ein weites emotionales Spektrum zwischen orthodoxer Strenge und tiefgläubiger Empfindsamkeit auslotend – kommt derart pointiert und bildhaft daher, dass selbst beim Hören des gesamten Zyklus (wie ihn Lewandowski selbst wohl nie aufgeführt hat) keinerlei Ermüdung eintritt.

Dies ist nicht zuletzt der sorgsam lenkenden Hand des musikalischen Leiters (und designierten LKMD) Jochen Steuerwald zu danken, der mit seiner nobel, klangvoll und differenziert singenden Jugendkantorei, dem wunderbar auf das Sujet eingestimmten Solisten-Quartett Vera Steuerwald (Sopran), Begona Zabala (Mezzosopran), Sebastian Hübner Tenor und Matthias Horn (Bariton) sowie dem überaus pointiert und einfühlsam begleitenden Organisten Robert C. Selinger aufs Lebendigste musiziert. Das ansprechende und inhaltlich ausführliche Bouclett beinhaltet u. a. auch die Psalmtexte zum Nachlesen, was angesichts der lupenreinen Deklamation der Ausführenden fast überflüssig erscheint.

(Gertie Pohlit)