Aktuelles Projekt: Messvertonungen von Bruckner und Schubert

Aktuell arbeiten wir an Messvertonungen von Anton Bruckner und Franz Schubert. Die neun Gesänge der „Deutschen Messe“ D 872 sind zweifellos Franz Schuberts bekanntestes kirchenmusikalisches Werk. Die ungewöhnlich große Beliebtheit verdankt das Werk zum einen der Tatsache, dass es einen deutschsprachigen Text anstelle der traditionellen lateinischen Messliturgie verwendet. Zum anderen überzeugt die schlichte und dennoch innige musikalische Sprache der Komposition, die nicht das Gotteslob, sondern den Menschen mit seinen irdischen Sorgen und Nöten ins Zentrum des Werkes stellt. Schubert schrieb die Messe im Auftrag des Physikers und Bibliothekars Johann Philipp Neumann, der auch die Texte verfasste. Die Idee eines deutschen Messetextes rückt Schuberts Vertonung in einen besonderen religionspolitischen Zusammenhang.

Die „Messe e-Moll“ ist nicht nur im Schaffen Bruckners, sondern in der Musik des 19. Jahrhunderts insgesamt eine Ausnahme. Anlass der Komposition war die Einweihung einer Votivkapelle des neuen Linzer Doms, die unmittelbar kirchliche Verwendung bestimmend für den strengen liturgischen Stil des Werkes. Bruckner verzichtet in der „e-Moll-Messe“ weitgehend auf romantische Klangmittel zugunsten einer klaren Chorpolyphonie. Obgleich die Klanggebung an Renaissancemusik erinnert, weist die Harmonik mit Sekundreibungen und scharfen Dissonanzen weit über ihre Zeit hinaus. Ungewöhnlich ist auch die Besetzung mit ausschließlich Blasinstrumenten und achtstimmigem Chor.

Während die stimmlichen und musikalischen Anforderungen der „Deutschen Messe“ auch für Laienchöre zu bewältigen sind, stellt die Aufführung der e-Moll-Messe höchste Ansprüche an die Aufführenden.